Nach meiner langen Zeit auf Teneriffa war ich erstmal begeistert von den gut gekleideten Menschen, den schönen Restaurants und Cafés auf der Insel Mallorca. Ich habe den Luxus genossen und war überwältigt von all den schönen Geschäften mit den vielen deutschen Produkten. Fast überall wurde Deutsch gesprochen, auch die höfliche Umgangsform „Sie“ war ich überhaupt nicht mehr gewohnt. Auf Teneriffa sagen alle „Du“zueinander.

Die spanische Sprache habe ich vermisst. Ich musste erst nach Palma fahren um mich wieder heimisch zu fühlen. Die Stadt Palma ist für mich ein Anziehungspunkt denn diese Stadt hat etwas Besonderes.Ob zum shoppen oder nur im Café sitzen und Leute beobachten ob eine neue Straße entdecken oder alte historische Gebäude betrachten, Palma ist eine wunderschöne Stadt und sehenswert. Das kulturelle Angebot ist hervorragend und die Anbindung an Europa sehr gut.

Die Insel Mallorca ist wesentlich größer als Teneriffa und landschaftlich ein Traum. An das Klima werde ich mich wahrscheinlich nie gewöhnen können:Im Sommer schwül, erdrückend heiß und feucht und die Monate Juli und August bergen Spitzentemperaturen in sich.Der Winter hingegen zu lang, viel zu kalt und genauso feucht.Wenn ich hier über das Wetter klage, treffe ich natürlich auf Unverständnis. Ich betrachte das Wetter aus der Sicht von Teneriffa und die anderen betrachten das Wetter aus der Sicht von Deutschland! „Zwei Welten treffen aufeinander!“

Umrandet wird die Insel von ellenlangen Sandstränden und versteckte Buchten.Wer es weiß, findet selbst im Hochsommer noch Plätze die nicht überlaufen sind.Für mich ist das „Strand-liegen“ nach so vielen Jahren „Insel-wohnen“ nicht mehr interessant, jedoch Spaziergänge am Strand in den Abendstunden oder bei Nacht liebe ich noch immer.Beeindruckend für mich sind immer wieder die extremen Kontraste auf der Insel. Sie haben eine eigene Magie und Anziehung.

Die Einheimischen haben sich durch den Tourismus und Immobilienmärkte sehr verändert. Im Landesinneren weniger. Dort lebten schon immer die fleißigen Bauern, welche ihre Produkte wöchentlich auf den verschiedenen Märkten feilboten. Die armen Leute und die von den Familien ausgestoßenen bekamen das Land an den kargen Küsten. Mit Zunahme des Tourismus und damit verbundenen Grundstücksverkäufen kippte jedoch auf einmal das Bild und jenen, welchen nichts zugetraut wurden, verkauften auf einmal zu Höchstpreisen Land und Grund. Auch die Herzlichkeit von einst ist nicht mehr da.

Die vordergründige Freundlichkeit ist der Tatsache des Geldes geschuldet. Mallorca ist inzwischen sehr teuer geworden, das spüren auch die Mallorquiner. Natürlich haben die Touristen viel dazu beigetragen. Ich habe das auch auf Teneriffa selber erlebt. Ich gehe mit Freunden essen.Natürlich weiß ich Restaurants, die vom Tourismus noch weitgehendst verschont geblieben sind und schon sagen meine Freunde: oh wie billig ist das hier und legen beim Bezahlen fast genau soviel  Trinkgeld hin wie die Rechnung ausmacht.In diesen Restaurants arbeiten aber
fast immer Familien mit ihren Angehörigen. Die schauen erstmal verwundert und erhöhen so nach und nach ihre Preise, das ist normal! Es gibt auf beiden Insel Restaurants und Bars, selbst Supermärkte wo die Touristen höhere Preise bezahlen als die Einheimischen.

Frischen Fisch von der Insel gibt es kaum noch, das meiste kommt vom Festland und somit ist der Fisch auch teuer im Restaurant im Gegensatz zu Teneriffa. In den Supermärkten gibt es kaum Obst und Gemüse von der Insel, dieses muss man schon auf dem Markt kaufen. Dort ist die Auswahl jedoch sehr gut. Wer einheimisch essen möchte muss sich in den Touristengebieten schon anstrengen um traditionelle Küche zu finden. Das erste Mal am Ballermann war ein Schock für mich. Ich hatte es schon öfters im Fernsehen gesehen aber ich hätte nicht gedacht, dass es
tatsächlich so ist! Für die jungen Leute und Clubs aus Deutschland finde ich es dennoch gut. Hier kann jeder mal so richtig ausflippen und abfeiern, das Leben in Deutschland ist ja doch manchmal ganz schön ernst und viele Menschen müssen das Lachen erst wieder lernen.

Neu war für mich, dass ab November die Insel wie leergefegt war. Viele Geschäfte, Restaurants, Bars, Souvenirläden und sogar Hotels schließen manchmal für Monate. Manche Orte sind nahezu geisterhaft leer. Viele verlassen nun die Insel und arbeiten über den Winter auf den Kanaren da dort jetzt Saison ist. So treffe ich immer wieder Menschen, mit denen ich über Teneriffa sprechen kann. Im Moment wohne ich am Meer, in einem der bekanntesten Orte. Durch meine Entdeckungsfahrten über die Insel habe ich festgestellt, dass ich mich im Landesinnern sehr wohl fühle. Es wird überall Spanisch gesprochen und die Einheimischen sind sehr freundlich und hilfsbereit.

So habe ich mich entschlossen, demnächst umzuziehen und werde im Landesinnern zu finden sein.Ich habe auch viele Jahre kein Gras vor der Türe gehabt mit wild wachsenden Blumen.Das muss ich wieder mal genießen. Da die Insel sehr groß ist, kenne ich noch lange nicht alle Orte und Gegenden.Natürlich kommt es auch daher, dass ich im Sommer in meiner freien Zeit lieber im Schatten auf meiner Terrasse verbringe und mich ausruhe und im Winter bei schlechtem Wetter, trotz der vielen Zeit eher zuhause bleibe wo es warm ist.
Das Einparken mit „Stoßstange“ wird hier noch mehr praktiziert.

Die Polizei erinnert mich an deutsche Polizisten. Die erste Woche auf Mallorca wollte die Polizei gleich dreimal mein Auto abschleppen.In der zweiten Woche hatte ich schon den ersten Strafzettel. Verhandeln ist nicht möglich. Lächelnde Polizisten gibt es nur in ihrer Freizeit. Auf Teneriffa kannte ich viele Polizisten. Es wurde immer ein Schwätzchen gehalten und manchmal haben wir sogar zusammen Kaffee getrunken. Undenkbar auf Mallorca! Ich habe in 12 Jahren Teneriffa 1 Strafzettel bekommen. Dafür sind die Ämter hier besser organisiert. Ich sehe ja alles aus der Betrachtung von Teneriffa. Hier kann ich tatsächlich sagen: ich geh mal schnell aufs Trafico (Verkehrsbehörde) und ich bin tatsächlich in einer halben Stunde wieder draußen. Natürlich kommt es auch darauf an was zu regeln ist.

Die Insel hat schon ihren Reiz. Es gibt für mich noch viel zu entdecken und wenn ich jetzt auch noch meinen Platz finde, wo ich mich wohlfühle dann ist das nächste Wunder geschehen und ich bin glücklich. Ich habe auch schon ein neues Ziel! Ich werde anstreben, meine Zeit auf beiden Inseln verbringen zu können. Ein schönes Ziel! Ich werde es berichten, wenn auch dieses Wunder geschehen ist.